Zahlen und Fakten zum Phänomen Illettrismus

Profil betroffener Erwachsener, unterschiedlichen Stufen der Literalität und soziale und ökonomische Folgen

Profil und Anzahl von Illettrismus betroffener Personen

Laut der nationalen Studie Lesen und Rechnen im Alltag – Grundkompetenzen von Erwachsenen in der Schweiz, haben bei uns rund 800 000 Erwachsene zwischen 16 und 65 Jahren Mühe beim Lesen.

Fast die Hälfte davon ist in der Schweiz geboren und hat hier die obligatorische Schulzeit absolviert. 71% davon geben die jeweilige Landessprache als Hauptsprache an. Mit dem Alter steigt die Anzahl der Betroffenen.

Die Studie „Lesen und Rechnen im Alltag – Grundkompetenzen von Erwachsenen in der Schweiz“ wurde 2006 vom Bundesamt für Statistik BFS publiziert. Sie basiert auf den Daten der Erhebung ALL 2003 (Adult Literacy and Life Skills Survey), die von der OECD durchgeführt wurde.

Zehn Jahre nach dieser Befragung, hat die OECD 2013 im Rahmen eines Programms zur Untersuchung von Alltagsfertigkeiten Erwachsener (PIAAC) eine weitere Studie publiziert. Die Resultate in den 24 untersuchten Ländern haben sich kaum verändert. Die Schweiz hat an dieser Untersuchung nicht teilgenommen.

Stufen der Literalität

Die OECD definiert Literalität in diesen Studien als „die Fähigkeit, das geschriebene Wort zu nutzen, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, eigene Ziele zu erreichen und das eigene Wissen und Potenzial weiter zu entwickeln.“ (Bundesamt für Statistik: Adult Literacy and Life Skill Survey. Neuenburg 2006. Vorwort).

Die in dieser Studie erwähnten 16% der Erwachsenen (1 von 6 Personen) erreichen im Lesen nur die Stufe 1. Laut derselben Studie aber erreichen auch Menschen auf Stufe 2 nicht das Niveau, das nötig wäre, um in modernen Gesellschaften unabhängig am Leben teilnehmen zu können. Stützt man sich auf diese Resultate, kann man davon ausgehen, dass rund 60% der Bevölkerung betroffen sind.

Zahlen im Zusammenhang mit der Erwerbslosigkeit und der Sozialhilfe

Die Gefahr, erwerbslos zu werden, ist für Betroffene doppelt so hoch wie für Menschen mit guten Lese- und Schreibfähigkeiten. 36% der Erwerbslosen haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben und bei 18% sind diese Schwierigkeiten sogar die Hauptursache für die Erwerbslosigkeit.

28% der Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger sind von Illettrismus betroffen.

Die volkswirtschaftlichen Kosten die dadurch entstehen werden auf 1,3 Milliarden jährlich geschätzt.

Diese Zahlen wurden in einer Studie des Büro BASS (2007) im Auftrag des Bundes berechnet.

Zahlen im Zusammenhang mit der beruflichen Ausbildung

1 Schulabgänger/in von 7 (14%) hat nicht genügend Lese- und Schreibkompetenzen erworben, um eine Lehre erfolgreich in Angriff zu nehmen (OECD – PISA, 2012). Des Weiteren haben 12,8% der 25-64jährigen keine nachobligatorische Ausbildung absolviert (BFS 2013).

55% der 25-65jährigen mit Hochschuldiplom nehmen an Weiterbildungen teil, bei Gleichaltrigen ohne nachobligatorische Ausbildung sind dies nur 9%. 24% dieser Gruppe hat sich nicht für die Teilnahme an einer gewünschten Weiterbildung qualifizieren können, bei den Menschen mit Hochschulabschluss konnten nur 7% ein Angebot nicht besuchen (BFS 2011).

Menschen ohne genügende Lese- und Schreibkompetenzen sind vom Prozess des lebenslangen Lernen weitgehend ausgeschlossen.

Agenda

Fr 3. Nov
– 3. Nov 2017
Nationale Fachtagung: Digitalisierung und Grundkompetenzen – Ein Blick auf die Gegenwart der Zukunft, Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben


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