Rechtliche und politische Rahmenbedingungen zur Lese- und Schreibförderung

Lesen und Schreiben sind als grundlegende Kulturtechniken zentral für die soziale, politische und wirtschaftliche Integration. Die volkswirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen von Illettrismus erfordern eine aktive Rolle des Staates in der Förderung dieses Bereichs.

Lese- und Schreibförderung von Erwachsenen

Die aktuelle Grundlage für die Förderung der Lese- und Schreibkompetenzen Erwachsener bildet das Kulturförderungsgesetz KFG, welches seit 2012 in Kraft ist. Art. 15 gibt dem Bund die Möglichkeit, Massnahmen zu treffen, die der Bekämpfung des Illettrismus und der Förderung des Lesens dienen. Die konkrete Förderung läuft über das Bundesamt für Kultur BAK.

Auf der Basis von Artikel 15 des Kulturförderungsgesetzes KFG unterstützte der Bund in der Förderperiode 2012-2015 vier Organisationen und Institutionen, die im Bereich der Illettrismusbekämpfung tätig sind: den Dachverband Lesen und Schreiben, den Schweizerischen Verband für Weiterbildung SVEB, den Verband der schweizerischen Volkshochschulen VSV sowie die Fachhochschule Nordwestschweiz Die konkreten Aufgaben der unterstützten Organisationen und Institutionen sind jeweils in Leistungsvereinbarungen festgehalten.

Zudem werden auf Basis von Projektgesuchen jährlich Projekte im Bereich Illettrismus unterstützt.

Verordnung des EDI über das Förderungskonzept 2012-2015 zur Bekämpfung des Illettrismus (SR 442.126)

Weiterbildungsgesetz

Das neue Weiterbildungsgesetz wird ab 2017 die neue Grundlage für die staatliche Förderung bilden. Mit dem Bundesgesetz über die Weiterbildung wird der Bedeutung des lebenslangen Lernens Rechnung getragen. Ebenfalls im Weiterbildungsgesetz geregelt wird die Förderung des Erwerbs und des Erhalts von Grundkompetenzen Erwachsener. Das Gesetz hat zum Ziel, die Koordination der bestehenden Massnahmen zwischen Bund und Kantonen zu verbessern und überdies dem Bund die Möglichkeit einzuräumen, den Kantonen gezielt Beiträge für Massnahmen zum Erwerb und Erhalt von Grundkompetenzen Erwachsener auszurichten. Personen mit fehlenden Grundkompetenzen sollen praxisnah vermittelte, grundlegende Kompetenzen in Lesen, Schreiben und mündlicher Ausdrucksfähigkeit in einer Landessprache, Alltagsmathematik oder Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien erwerben können, was ihre Integration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt verbessert. Mit Einführung des Weiterbildungsgesetzes wird das Dossier der Illettrismusbekämpfung an das Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBFI) übergehen.

Bundesgesetz über die Weiterbildung

Leseförderung von Kindern und Jugendlichen

Lesen und Schreiben sind grundlegende Fähigkeiten, welche Tore zu Wissen und Denken öffnen, den Zugang zu Bildung sowie die berufliche Integration sichern und somit einen Pfeiler für eine aktive kulturelle Teilhabe bilden. Die Bedeutung der Leseförderung für die Entwicklung sozialer und intellektueller Kompetenzen ist unbestritten. Dies gilt umso mehr in der heutigen multimedialen Informations- und Kommunikationsgesellschaft, in der Medien allgemein und besonders digitale Medien eine zunehmend wichtigere Rolle spielen. Die Leseförderung von Kindern und Jugendlichen unterstützt das Bundesamt für Kultur deshalb aktuell und in der Zukunft speziell. Dies ist auch aus der Perspektive der Illettrismusprävention wichtig und sinnvoll. Der Bund setzt bei der Förderung einen Akzent auf die Kinder- und Jugendliteratur. Die Lektüre von Kinderbüchern kann helfen, Lesefertigkeiten zu festigen. Doch Kinder- und Jugendliteratur fördert auch kulturelle, ästhetische und sinnliche Kompetenzen.

Das Bundesamt für Kultur unterstützt die Leseförderung

Auf der Basis von Artikel 15 des Kulturförderungsgesetzes KFG unterstützte der Bund in der Förderperiode 2012-2015 fünf gesamtschweizerische Organisationen und Institutionen, die im Bereich der Leseförderung tätig sind: das SIKJM, die Stiftung Bibliomedia, das Schweizerische Jugendschriftenwerk, den Verein Baobab sowie das Netzwerk der interkulturellen Bibliotheken der Schweiz (Interbiblio). Die konkreten Aufgaben der unterstützten Organisationen und Institutionen sind jeweils in Leistungsvereinbarungen festgehalten.

Zudem werden auf Basis von Projektgesuchen jährlich Projekte im Bereich von digitalen Medien unterstützt.

Ausblick auf die neue Förderperiode 2016-2020

In der neuen Kulturbotschaft 2016-2020 beantragt der Bundesrat ein Paket an Massnahmen im Bereich der Leseförderung:  Die bisherige Leseförderpraxis des Bundes setzt ihren Schwerpunkt auf die Förderung von Organisationen. Ein Vergleich mit anderen Ländern insbesondere Skandinaviens (PISA-Studien seit 2000) zeigt, dass der Erfolg der Leseförderung in diesen Ländern massgeblich auf einer direkten Zusammenarbeit mit Schulen basiert. Gestützt auf diese Erfahrung ist neben der bisherigen Strukturförderung in der Schweiz zusätzlich eine Förderung anzustreben, welche – unter Berücksichtigung der Kompetenzen von Bund und Kantonen im Schulbereich – die Unterstützung von nachhaltigen Einzelprojekten der Leseförderung in enger Anbindung an Bibliotheken und Schulen ermöglicht.

Eine systematische Leseförderung muss zudem alle Altersstufen in den Blick nehmen. Zielte die bisherige Leseförderpraxis vor allem auf die Früh- und Frühestförderung, werden in der kommenden Periode auch Menschen im späteren Jugendalter und Erwachsene zu berücksichtigt. Eine wichtige Zielgruppe bilden dabei Jugendliche am Ende ihrer obligatorischen Schulzeit, die sich im Übergang zur Berufsausbildung befinden. Die Berufsfachschule ist für viele Berufslernende die letzte Gelegenheit, sich mit literarischen Texten vertraut zu machen.

Verordnung des EDI über das Förderungskonzept 2012-2015 für die Leseförderung (SR 442.127)

Agenda

Do 8. Jun
– 10. Jun 2017
Tagung PH FHNW: Expertise von Lehrpersonen in der Domäne Schreiben
Sa 17. Jun
Tagung Dyslexie Schweiz: Von Nachteilsausgleich bis Förderung
Di 27. Jun
Workshop: Alltagsmathematik mit neuen Technologien vermitteln
Mo 3. Jul
– 6. Jul 2017
20th European Conference on Literacy
Mo 28. Aug
– 31. Aug 2017
Tagung PH FHNW: Literalität und Erkenntnis im schulischen Lernen.


Ganze Agenda anzeigen